Mittwoch, 27. August 2014

Der Tag der Segnung

Die folgenden Nächte konnte ich nicht alleine verbringen, meine Angst vorm Kollabieren war einfach zu groß und so blieb mein Mann die ganze Woche Tag und Nacht an meiner Seite. Er fuhr nur kurz zum duschen heim und während dieser Zeit kam dann meine Mutter. Im Krankenhaus hatten die nicht mal Klappbetten für Angehörige, mein Mann tat mir schon sehr leid auf dieser Britsche mit seiner Körpergröße von 1,90 cm. Aber ich brauchte ihn an meiner Seite, und er hatte glaube ich auch nicht im Ansatz darüber nachgedacht zu gehen. Er hat das wirklich großartig gemeistert und hat mir in dieser ersten Woche so viel Kraft und Ruhe vermittelt. An dieser Stelle muss ich meinen tiefsten Dank an meine beiden Lieben schicken, denn sie waren Tag und Nacht zur Stelle und haben meine Rundum-Betreuung ganz wunderbar gemanagt. Ich war nicht in der Lage jemand anderen an mich heranzulassen, schottete mich komplett ab, und verbrachte bis Freitag die Woche liegend im Krankenbett mit geschlossenen Vorhängen. Ich war nicht in der Lage zu essen geschweige denn zu trinken, naja aber Infusionen taten dann das übrige.

Doch dann kam der Moment, vor dem ich mich schon sehr fürchtete, die Segnung unserer kleinen Maus. Ich wusste, dass würde das letzte mal sein, dass sie bei uns sein dürfte und dass wir sie dann endgültig gehen lassen müssten. Aber es tat auch so wahnsinnig gut und war einfach auch so befreiend für mich endlich wieder um sie weinen zu können, und so verbrachten wir mit ihr zusammen als Eltern die intimsten Momente unseres Lebens. In diesen Momenten gab unsere kleine Maus uns so viel Liebe, wie ich es vorher noch nie in meinem Leben spüren konnte, und ich bin ihr so unendlich dankbar dafür. Und sie gab mir ein bisschen Kraft zurück es danach sogar für eine kleine Runde in den Krankenhausgarten zu schaffen bevor wieder eine Runde Chemotherapie auf mich wartete. Auch an diesem Tag im März strahlte die Sonne, es spielten kleine Kinder im Garten, 1-2 Tage alte Säuglinge wurden draußen rum geschoben, es saßen hochschwangere im Garten und auf der anderen Seite waren da auch die Krebspatientinnen mit ihren Tüchern auf dem Köpfen und wir gefüllt mit so viel Trauer. In so einem kleinen Garten wird einem erst wirklich bewusst, wie nah Leid und Freud beieinander liegen.

Aber da war auch noch ein ganz anderes Bild an diesem Tag, dass sich in meinen Kopf eingebrannt hat. Als ich zurück in meinem Zimmer am Fenster saß und teilnahmslos in den Garten blickte, waren da auch die hochschwangeren, die sich eine Zigarette nach der anderen reinzogen. Ich konnte diesen Anblick nur sehr schwer ertragen, und in einem solchen Moment erscheint einem die Welt einfach nur wahnsinnig ungerecht. Ich wollte raus aus diesem Krankenhaus, ich fühlte mich so sehr gefangen in dieser Situation, kämpfte mit dem Mithören der Herztöne, welche das CTG-Gerät der Frau ein Zimmer weiter aufzeichnete und ich durch die Wände hören konnte. Ich sehnte mich so sehr danach, ein Stockwerk weiter oben (Säuglings-/Entbindungsstation) zu liegen, wo die Welt nur rosarot und glücklich zu sein schien. Ich wollte raus aus diesem Krankenhaus und für mich trauern um mein verlorenes Kind, aber es ging nicht, denn ich hatte leider vorher noch einen ganz anderen Kampf zu führen.


Sonntag, 24. August 2014

Chemotherapie mit MTX

Die Momente und Stunden nach der OP waren wie ein schlechter Film für mich, der an mir vorbei zog und ich ein teilnahmsloser Beteiligter in diesem Film, der nicht mehr in der Lage war, wirklich selber zu agieren. Ich unterschrieb sämtliche Arzt- und Aufklärungsunterlagen ohne nur im Ansatz in diese Papiere reinzuschauen, willigte in eine Chemotherapie!!! ein, ohne auch nur ein Sekunde darüber nachdenken zu können. Sätze wie "Jetzt wollen wir erstmal versuchen ihnen ihre Gebärmutter zu erhalten", "wir starten heute noch mit einer Chemotherapie, um das stark durchblutete, schnell wachsende Zellgewebe der Plazenta abzutöten", "die Plazenta kann dann möglicherweise von alleine rausfallen", "das kann bis zu 12-16 Wochen dauern", "sie erhalten jetzt dreimal täglich ein Langzeitantibiotika, "es darf auf keinen Fall zu einer Infektion kommen", "sie dürfen keine Infektion, kein Fieber bekommen, denn dann muss die Plazenta raus, egal wie", sie bekommen weiter Wehenmittel, die Gebärmutter muss sich kontrahieren, damit die Blutungen zu kontrollieren sind", "wir wollen das ihre Gebärmutter arbeitet". Ich war in einem absoluten Schockzustand. Ich glaube man kann als Außenstehender nur ansatzweise erahnen, wie sich so etwas anfühlt, ein paar Stunden nachdem man sein totes Kind auf die Welt gebracht hat. Ich war in einer Schockstarre gefangen, konnte nicht mehr weinen, nichts mehr. Hatte ich nicht nur mein Kind verloren, nein vielleicht verliere ich auch noch mein Organ. Dann ist alles aus...

Bereits drei Stunden nach der OP bekam ich die erste Infusion gegen Übelkeit vor der Chemotherapie mit Methotrexat (MTX), dann die erste Infusion des 1. Zyklus MTX. Ein Zyklus bestand immer aus drei Infusionen. Die Chemotherapie mit MTX sollte dazu führen, dass einzig schnell wachsende Zellgewebe, das sich in meinem Körper befand abzutöten, ähnlich wie bei Krebs. Und die Plazenta ist eben ein solch aggressives Organ mit schnell wachsendem Zellgewebe. Und was ich nicht wusste, so eine Plazenta arbeitet fröhlich weiter, unabhängig davon ob noch ein Kind da ist oder nicht. Ich hatte im wahrsten Sinne ein gefährliches Monster in meinem Bauch, mit und gegen das ich einen langen Kampf zu führen haben sollte.

Die erste Nacht nach der OP hätte ich ohne meinen Mann nicht überstanden. Ich kollabierte viermal und mein Mann wusste gemeinsam mit der Schwester immer genau was zu tun ist. Mein Blutverlust während der OP hielt sich gerade noch so in Grenzen, war aber dennoch erheblich für meinen Körper. Immerhin hatte der ganze Stress und die Ereignisse auch an meinem Gewicht gezerrt und so waren meine Schwangerschaftskilos wieder weggeschmolzen und ich wog im 5. Schwangerschaftsmonat kurz vor der Fehlgeburt nur noch 49 Kilo!!!

Donnerstag, 21. August 2014

Diagnose Plazenta Increta

Nach der stillen Geburt sollte standardmäßig die Kürretage (Ausschabung) erfolgen. Die Ärzte erklärten uns alles und meinten ich könnte abends oder am nächsten Tag dann nach Hause. Ich hatte aber schon vor der OP ein ganz ungutes Gefühl, irgendwas stimmte nicht. Die Plazenta war nach der Geburt nicht mitgekommen, was an sich laut Ärzten in diesem Schwangerschaftsalter nichts ungewöhnliches ist. Ich hatte aber irgendwie eine Vorahnung, auch wenn ich natürlich nicht mal erahnen konnte, welche Komplikationen so eine Plazenta mit sich bringen kann. Vor der OP sagte ich noch zu der Ärztin "ich habe so Angst um meine Gebärmutter", irgendwie seltsam. Das war dann auch genau das, was die Ärztin nach der OP zu mir sagte, "irgendwie hatten Sie ja bereits ein ungutes Gefühl, sie sagten ja noch zu mir, Sie haben so Angst um ihr Organ". Nachdem ich aus der Narkose aufwachte, ging mein erster Blick Richtung Uhr, und ich wusste in dem Moment, dass ich sehr sehr lange im OP war, das Warten auf die Ärztin kam mir wie eine Ewigkeit vor. Mein erster Satz war, "Ist alles gut gegangen", und ich konnte schon am Gesichtsausdruck der Ärztin erkennen, dass dieser Satz sich nicht bewahrheiten würde. Alles was nach der OP mit mir passierte, geschah förmlich mechanisch und wie in Trance, denn ich war in einem absoluten Schockzustand.

Während der eigentlich geplanten Standardausschabung hatte die Ärztin im OP eine Plazenta Increta festgestellt. Dabei handelt es sich um eine Einnistungsstörung, bei der sich das befruchtete Ei quasi zu tief eingenistet hat oder nicht genug Schleimhaut vorhanden war (was bei mir aber aufgrund der IVF ausgeschlossen werden konnte). Bedingt durch eine solche Einnistungsstörung wachsen die Plazentazotten tief in die Gebärmuttermuskulatur hinein, die Plazenta frisst sich quasi durch das Endometrium und die Basalmembran ins Myometrium. Es handelt sich dabei um eine schwerere Form der Plazenta Accreta. Die Ärztin bekam meine Plazenta von keiner Seite nur ansatzweise zu fassen, es war nicht mal möglich kleine Teile von ihr aus meiner Gebärmutter herauszuholen. Gott sei Dank fing sie nicht an wie wild zu versuchen die Plazenta herauszuschaben, denn das hätte mich definitiv aufgrund einer Verblutungsgefahr am Ende wohl mein Organ gekostet, um mein eigenes Leben zu retten. Letztendlich habe ich dem Klinikchef Dr. v. O., der in den OP gerufen wurde, zu verdanken, dass ich meine Gebärmutter heute noch habe. Er entschied angesichts meines hohen Blutverlusts die Plazenta im Uterus zu belassen und die OP abzubrechen, in der Hoffnung die Blutung dann in den Griff zu bekommen, und eine alternative konservative Behandlungsmethode starten zu können. Eine Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) sollte angesichts meines Alters und des unerfüllten Kinderwunsches ultima ratio sein.

Um euch mal etwas genauer zu erläutern, um was es sich bei meiner Plazentalösungsstörung genau handelte habe ich euch mal Fachinformationen zusammengestellt. So selten wie es angeblich ist, ist es nämlich dann in der leichteren Form (Plazenta Accreta) doch nicht, wie sich im Nachhinein im Bekanntenkreis, und v.a. in der Asherman-Selbsthilfegruppe herausstellte. Auch wenn ich leider bis heute mit die Einzige bin, die dieses Problem nach einer Fehlgeburt und nicht nach einer Lebendgeburt hatte, was natürlich einen sehr großen Unterschied macht. Ich hätte für meine kleine Maus alles gegeben, und wenn mein Organ dran glauben hätte müssen.

Grundsätzlich unterscheidet man also die Plazenta Accreta, Increta und Percreta.

Als Placenta accreta bezeichnet man in der Geburtshilfe eine Störung der Plazentahaftung, bei der die Plazenta mit der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium) verwachsen ist. Dadurch löst sich die Plazenta nach der Geburt des Kindes nicht (Plazentaretention) und es kann zu erheblichen Blutungen kommen. Die Placenta accreta kommt bei etwa einer von 2.500 Schwangerschaften mit steigender Häufigkeit vor.
Bei der Placenta accreta fehlt die Decidua basalis teilweise oder völlig. Damit können Trophoblasten bis an die Gebärmuttermuskulatur heranwachsen (Placenta accreta) oder sogar in diese einwandern und -wachsen (Placenta increta/percreta).
Alle Formen sind zu 10 bis 45 % mit einer Placenta praevia verbunden. Weitere Ursachen sind narbige Veränderungen an der Gebärmutter, wie sie beim Asherman-Syndrom, welches vor allem nach Operationen an der Gebärmutter, wie Kürettagen und nach Myomentfernungen[ auftritt, oder nach Schnittentbindungen.
Einige Untersuchungen zeigten zudem eine erhöhte Häufigkeit in Schwangerschaften mit weiblichen Feten.
Die steigende Inzidenz wird als Folge des Anstiegs der Rate von Kaiserschnitten gesehen. Auch Schwangere mit einem Alter von mehr als 35 Jahren haben ein erhöhtes Risiko für Plazentaimplantationsstörungen.
Man unterscheidet nach der Tiefe ihrer Verwachsung mit der Gebärmutterwand drei Formen der Placenta accreta:
FormBeschreibungAnteil
Placenta accretaDie Zotten wachsen bis an die Gebärmuttermuskulatur heran.75-78 %
Placenta incretaDie Zotten wachsen tief in die Gebärmutterwand ein.17 %
Placenta percretaBei der schlimmsten Form penetriert die Plazenta das komplette Myometrium bis zur Serosa. Die Plazenta kann darüber hinaus sogar in Harnblase und Rektum einwachsen.5-7 %
Die Placenta accreta wird nur selten vor der Geburt erkannt und ist zuweilen schwer zu diagnostizieren. In der Doppler-Sonografie lassen sich neugebildete Blutgefäße in der Muskulatur der Gebärmutter nachweisen. Auch in der Magnetresonanztomographie (MRT) kann man Hinweise auf eine Plazentaimplantationsstörung finden. Jedoch lassen sie sich weder mit der Ultraschall-, noch mit der MRT-Untersuchung beweisen.
Im zweiten Schwangerschaftsdrittel lassen sich erhöhte Alpha-1-Fetoprotein-Werte im mütterlichen Blutserum nachweisen, die jedoch auch Indikatoren für viele andere Dinge sind. Im dritten Trimester treten bei Plazentationsstörungen in einigen Fällen vaginale Blutungen auf, deren Ursache jedoch selten die Störung selbst ist. Kommt es nicht innerhalb von 30 Minuten nach der Geburt des Kindes zur Geburt von Mutterkuchen und Eihüllen, muss man eine Placenta accreta in die Differentialdiagnostik einbeziehen.
Wird eine Placenta accreta vor der Geburt diagnostiziert ist eine geplante Schnittentbindung, ggf. mit Gebärmutterentfernung, der sicherste Geburtsmodus.
Bei der manuellen Plazentalösung wegen Plazentaretentionen kann es zu erheblichen Blutungen kommen. Eine vollständige Lösung des Mutterkuchens gelingt jedoch nur bei der Placenta adhaerens und der leichtesten Form der Placenta accreta. Dabei lassen sich fest anhaftende Plazentaanteile bei der Placenta accreta meist nur durch eine Kürettage entfernen. Bei den schwereren Formen (Pl. increta/percreta) lässt sich eine Hysterektomie meist nicht umgehen. Zur Verminderung der Blutungsstärke sind vorübergehend Wehenmittel und eine Infusionsbehandlung zum Volumenersatz notwendig.
Soll die Gebärmutter erhalten werden, weil der Kinderwunsch noch nicht erfüllt ist, kann eine operative Resektion um die Plazenta herum bei der Placenta increta erfolgreich sein. Die gebärmuttererhaltende Behandlung hat jedoch ein höheres Risiko von Komplikationen und ist nicht immer erfolgreich.
Mögliche konservative Techniken sind:
  • das Belassen der Plazenta in der Gebärmutter
  • die interuterine Ballon-Katheterisierung zur Kompression der Blutgefäße
  • eine Embolisation der Gebärmutterarterien
Wenn eine Schwangere sich für eine vaginale Entbindung entscheidet, obwohl der Verdacht auf eine Placenta accreta besteht, sollten Blutprodukte zur Transfusion bereitgestellt werden.
(Quelle: Wikipedia)

Mittwoch, 20. August 2014

Gebeutelt vom Schicksal

Was nach dem Verlust unserer kleinen Maus geschah ist schwer in Worte zu fassen. Manchmal weiß ich heute noch nicht, wie mir geschieht, und wann ich aus diesem schrecklichen Alptraum endlich erwachen darf und das Leben auch für mich bzw. uns wieder ein Stück vom Glückskuchen vorgesehen hat. Das Geschehene erscheint zuweilen so unwirklich und doch stecke ich mitten drin in meinem Kampf um den Verlust unserer kleinen Maus und um die Wiederherstellung meiner Gebärmutter, nachdem meine wunderbaren Ärzte sie mir nach einem 7-wöchigen Kampf erhalten konnten.

Als wäre der Verlust unserer kleinen Maus noch nicht genug gewesen, hatte das Schicksal danach Woche für Woche, teilweise Tag für Tag einen neuen Peitschenhieb für mich bereitgestellt.

Zunächst war ich noch so stolz auf meinen Körper, dass er Wehen produzierte ohne irgendwelche Hilfsmittel, und hatte ganz plötzlich Vertrauen in die Natur, dass sie trotz des schrecklichen Verlustes den Rest von selbst regelt, so wie es eben nach solch einem tragischen Ereignis sein muss. Doch ich sollte in meinem Glauben bitter enttäuscht werden. Die Nacht vom 11. März 2014 auf den 12. März 2014 war die schrecklichste meines Lebens. Sie war durchzogen von fast nicht ertragbaren Ängsten, von Ängsten vor dem Moment der Geburt meines Kindes, von Ängsten vor der Plazenta Praevia und dem fehlenden Vertrauen, dass es bei der Geburt nicht zu Blutstürzen etc. kommen würde und all das alleine in meinem Krankenzimmer ohne Ärzte oder Hebammen nur mit meinem Mann war schwer zu ertragen. Diese Nacht sollte eine sehr lange werden, obwohl ich noch heute die Worte der Ärztin "sie werden das Kind heute Abend noch gebären" höre. Ohne meinen Mann, der Tag und Nacht bei mir blieb (und es wurden noch mehr Nächte), keine Sekunde das Zimmer verließ, hätte ich das alles nicht durchgestanden. Er war mein Fels in dieser tobenden Brandung, und nur für mich so unendlich stark.
Im Nachhinein erscheint es so weit weg, diese Nacht, in der ich bereits vor Mitternacht die kleine Maus zur Welt brachte, ohne es aber zu merken. Meine unendliche Angst alleine ohne Ärzte das vollbringen zu müssen hat dazu geführt, dass mein Körper den letzten Anstoß nicht gab, und so behielt ich unsere kleine Maus noch die restliche Nacht bei mir. Ich wollte Sie wohl  einfach noch nicht gehen lassen. Eine Lehre aus dieser Schreckensnacht, die ich mir hätte ersparen können, habe ich gezogen. Nie wieder lasse ich mir eine PDA geben, das hab ich mir geschworen, denn dann hätte ich die Geburt bemerkt. Im Nachhinein weiss ich den Zeitpunkt ganz genau, aber in der Situation konnte ich es nicht zuordnen.

Trotz allem gibt es mir ein bisschen Frieden, dass ich Sie auf natürlichem Weg geboren habe. Ich zumindest eine Ahnung habe, wie sich Wehen anfühlen, und wie es ist, dabei zuzusehen, wie das eigene Kind abgenabelt wird, auch wenn Sie nicht leben durfte. In diesem Moment waren wir als Paar einfach trauernde Eltern, die um ihr Kind weinen, und einen solch innigen Moment habe ich zuvor nicht erlebt. All diese Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen, egal was die Zukunft bringt.

Montag, 18. August 2014

Ich bin dabei - Hallo Blogschwestern!

Ich bin dabei bei den Kinderwunsch Blogschwestern, und ich freue mich sehr!

Hallo liebe Blogschwestern da draußen im World Wide Web,

gestern kam die Email meiner lieben Blogschwestern ZweiLinien und Lene und ich bin sehr gespannt auf meine Blogvorstellung, die in den nächsten Tagen folgen wird.

Ich hoffe einige von euch finden den Weg zu mir und sind bereit meinen weiteren Weg mit mir gemeinsam zu gehen, auch wenn er noch so steinig ist und ich mir manchmal schon gedacht habe, aus den Stolpersteinen in meinem Blogtitel eigentlich doch besser Berge, Mount Everest´s oder Himalajas machen zu müssen, denn Stolpersteine klingt irgendwie so verniedlichend und klein. Aber was soll´s, es hört sich halt besser an.

Viele liebe Grüße
Eure Blogschwester Sternenmami

Sonntag, 17. August 2014

19. SSW: Abschied

Aber wir schafften es leider nicht! Bereits am darauffolgenden Tag, an einem wunderschön sonnigen Montag, den 10. März 2014 mussten wir unsere kleine Maus in der 19. SSW schweren Herzens zu den Sternen gehen lassen.

Es ist der Geburtstag meiner Mutter und sollte zugleich der Todestag unserer kleinen Tochter werden. Es schmerzt zutiefst, dass diese beiden Ereignisse auf denselben Tag zusammenfallen.

Morgens war meine Mutter noch zu Besuch, wir aßen zusammen Kuchen und sie konnte ein kleines Geschenk auspacken. Mittags verbrachte ich wie üblich zwei Stunden im Krankenhausgarten in der Sonne als ich plötzlich merkte, etwas ist anders, ich spürte ihre kleinen Bewegungen in Form der Luftbläschen nicht mehr und mir ging es ganz plötzlich sehr sehr schlecht. Ich schaffte es gerade noch zurück in mein Krankenhauszimmer. Es kam zum Blasensprung, intuitiv rief ich meinen Mann an, der bereits auf dem Weg zu mir war. Gemeinsam legten wir ihre kleine Schäfchenspieluhr auf meinen Bauch und ich bin fest davon überzeugt, dass sie dabei ganz friedlich eingeschlafen ist. Ich weiss, dass sie nicht leiden musste, da ihr kleines Herz vermutlich sofort aufhörte zu schlagen. Das ist das einzige, was mir ein bisschen Frieden gibt, denn alles andere hätte ich nicht gewollt und nicht ertragen.

Letztendlich muss es wohl doch so gewesen sein, dass die anhaltenden Blutungen keine Randsinusblutungen vom Rand der Plazenta waren, sondern wohl doch die Fruchtblase tangierten und die dünne Eihaut das irgendwann nicht mehr halten konnte. Warum es allerdings überhaupt geblutet hat und ich immer wieder starke Kontraktionen hatte ist allen Ärzten bis heute ein Rätsel.

Mittwoch, 13. August 2014

19. SSW: Gedanken, Träume und ein Dankeschön

Es war Anfang März 2014, das Wetter war ungewöhnlich warm, die Sonne strahlte und die ersten Knospen und Blümchen erwachten aus ihrem Winterschlaf. All diese schönen Dinge, die ich im Krankenhausgarten miterlebte, passten nicht zusammen mit unserer Situation, mit meinem Kampf um das Leben meines kleinen unschuldigen Mädchens in meinem Bauch, meinem geliebten Kind, das ich um alles auf dieser Welt beschützen wollte, und vor jeglichen Schmerzen bewahren.

Und dann war da wieder ein Traum, ein Traum, den ich zunächst nicht zuordnen konnte:
In der Nacht von Samstag, den 08. März 2014 auf Sonntag, den 09. März 2014 träumte ich von unserem kleinen Mädchen, in einem Stubenwagen liegend, geboren mit 2750 Gramm. Aber in meinem Traum hatte unsere kleine Maus kein wahrnehmbares Gesicht, sie war nicht greifbar für mich. Dieser Traum war anders, anders als der mit meinem kleinen Sohn auf dem Arm, der greifbar war. Zunächst gab mir dieser Traum Ruhe und Zuversicht und machte diesen Sonntag im März zu einem besonderen Tag für mich. Erst später konnte ich diese Erfahrung teilen mit anderen Betroffenen und fand mich in den Zeilen des Buches "Gute Hoffnung - jähes Ende" von Hannah Lotrop wieder. Jene Zeilen, in denen Sternenmamas beschreiben, dass ihr verlorenes Kind in ihren Träumen nie ein Gesicht hatte, im Gegensatz zu ihren lebend geborenen Kindern.

Eine ganz besondere Erfahrung schenkte mir nämlich unsere kleine Maus an diesem Sonntag im März noch bevor sie zu den Sternen gehen sollte. Mein Frauenarzt nutzte an diesem Tag die Ruhe des Krankenhausbetriebs um einen größeren Ultraschall zu machen. Es war der schönste Ultraschall meiner Schwangerschaft und dafür danke ich dir so sehr meine kleine Maus. Ich glaube, du hast gespürt, dass du Abschied nehmen musstest von deiner Mama. Das Gefühl in diesem Moment war so unbeschreiblich, und ist schwer in Worte zu fassen, sie war so süß, hatte ein so schönes Lächeln auf dem Gesicht und wir konnten ihr Schlucken des Fruchtwassers festhalten. Es entstanden wunderschöne Bilder, wunderschöne Erinnerungen, die ich niemals missen möchte und auf die vor allem auch mein Mann so stolz war. Er war so stolz seine kleine Tochter beim Fruchtwasser schlucken zeigen zu können. Die Zuversicht kehrte zurück, und ich höre noch heute die Worte meines Arztes, "wir schaffen das, wir schaffen 2750 Gramm".